Auf einem Seminar des Sozialistischen Forums Rheinland unter der Fragestellung „Demokratie in Gefahr?“ habe ich zum Thema „Migration aus ökonomischer Sicht“ referiert. Migration lässt sich unter verschiedenen Aspekten diskutieren: unter humanitär-ethischen, kulturellen und ökonomischen. Alle Aspekte sind wichtig. Nur ökonomische Aspekte zu behandeln, reicht also nicht, und es ist politisch möglich, andere Ziele als die Wahrung des bisherigen ökonomischen Durchschnittsniveaus zu verfolgen. Wohl aber es ist erforderlich, ökonomische Aspekte auch zu behandeln. Dies war die Aufgabe des Vortrags, der sich hier findet. Die dem Vortrag zugrundliegenden Texte und die von mir bearbeiteten Excel-Dateien finden sich hier.
Vorgehen
Zu Beginn des Vortrags wurde erläutert, welche verschiedenen Rollen Migrierende in der Erwerbstatistik und in Entstehung, Verteilung und Verwendung des BIP einnehmen. Untersucht wurde sodann, welche theoretischen Bedingungen zu erfüllen sind, damit das Pro-Kopf-Einkommen durch Migration nicht sinkt und es hierdurch nicht zu Verdrängung auf dem Arbeitsmarkt kommt. Danach wurde unter Bezugnahme auf bisherige Erfahrungen und unter Heranziehung externer Texte und Studien diskutiert, welche verschiedenen Entwicklungspfade möglich sind. Hieraus ergaben sich zwei Schlussfolgerungen.
Zwei Schlussfolgerungen
Damit das Einkommen pro Kopf bei Migration wie bisher steigt, muss die Erwerbsproduktivität (reales BIP pro Arbeitsstunde) im selben Maße steigen wie bei den bisher Erwerbstätigen; dies erfordert Bildung, Qualifikation und Kompetenz; darf die jährliche Arbeitszeit pro nur im selben Maße sinken wie bei den bisher Erwerbstätigen; dies erfordert Integration in reguläre Vollzeittätigkeit; muss der Anteil der Erwerbstätigen an den Erwerbsfähigen im selben Maße steigen wie bei den bisher Erwerbsfähigen; dies erfordert Zulassung + Willen + Absorption; darf der Anteil der Personen zwischen 20-64 an der Bevölkerung nur im selben Maße sinken wie bei den bisher hier Lebenden; dies erfordert junge Migrierende.
Für eine konstante Beschäftigung muss die reale BIP-Nachfrage mindestens so stark wachsen wie die Erwerbsproduktivität. Genauer formuliert: Das Wachstum des Anteils der Erwerbstätigen an den Erwerbsfähigen muss größer oder gleich null sein. Dies ist der Fall, wenn die Wachstumsrate des realen BIPs pro Kopf größer oder gleich ist der Summe der Wachstumsraten von Erwerbsproduktivität, Arbeitszeit pro Kopf und Erwerbsfähigenquote. Zudem müssen sich Qualifikation und Anforderung matchen.
Der Vortrag, der noch in einen kursorischen Text transformiert werden muss, folgt übrigens einem ersten Text von mir zum Thema „Migration“ aus dem Jahre 2018.
Das Foto „Migration mit Weltkarte und Pfeilen, Symbolik der globalen Wanderung“ stammt von Marco Verch via Lizenz ccnull.de, CC-BY 2.0.

