In der EU erzielen die Unternehmen als ganzer Sektor (ohne Kleinunternehmen) Finanzierungsüberschüsse. Dies betrifft erstens den ganzen Euroraum, zweitens Länder wie die Bundesrepublik, die Leistungsbilanzüberschüsse erzielen, und drittens Länder wie Frankreich oder Griechenland, die Leistungsbilanzdefizite verzeichnen.
Die Summe aller Finanzierungsüberschüsse muss logisch der Summe aller Finanzierungsdefizite entsprechen. Der Haushaltssektor erzielt Finanzierungsüberschüsse. Die Unternehmen täten also gut daran, Finanzierungsdefizite einzugehen, um die Ersparnisse zu absorbieren. Genau das tun sie aber nicht. Sie investieren also weniger Mittel, als ihnen aus thesaurierten Gewinnen zur Verfügung stehen, anstatt über die thesaurierten Gewinne hinaus sich auch fremd zu finanzieren, was eigentlich ihre Aufgabe wäre.
Dann bleiben zwei mögliche Schuldner für die summierten Finanzierungsüberschüsse von Haushalten und Unternehmen: das Ausland oder der Staat. Leistungsbilanzüberschussländer wie die Bundesrepublik lassen ihre summierten Finanzierungsüberschüsse auch durch ihre ausländischen Handelspartnerschuldner absorbieren. Dennoch reicht dies nicht, so dass auch sie auf Staatsverschuldung angewiesen sind. Leistungsbilanzdefizitländer wie Frankreich oder Griechenland stapeln dagegen auf ihre eigenen Finanzierungsüberschüsse noch die Finanzierungsüberschüsse ihrer ausländischen Handelspartnergläubiger, so dass sie erst recht auf Staatsverschuldung angewiesen sind.
Ich bin ein Befürworter von Staatsverschuldung. Doch wie man dazu auch steht, eine wichtige Frage ist: Wie kann es gelingen, die Unternehmen selbst zu erhöhten Investitionen zu veranlassen? Ich denke, dass eine erhöhte Binnennachfrage mit gut steigenden Löhnen auch im Bereich geringerer Einkommensschichten Teil der Lösung ist und nicht Teil des Problems. Dies würde auch die Überschüsse der Haushalte reduzieren.
Auch eine erhöhte Besteuerung hoher Einkommen mit Umverteilung an untere Einkommensgruppen und an die öffentliche Hand würde die Binnennachfrage erhöhen, die öffentliche Infrastruktur verbessern und die Überschüsse der Haushalte reduzieren.
Der Staat soll Unternehmen angemessen besteuern, aber wichtig ist es auch, sie übers Beschriebene hinaus zu weiteren Investitionen zu veranlassen. Öffentliche Subventionen als Risikokapital, die Investitionen in neue Technologien UND neue Branchen der digitalen, defossilisierten Betriebsweise befördern, sind richtig und ergänzen richtige Ansätze für mehr Wirtschaftsdemokratie.
PS: Hier ist die Excel-Datei mit den rohen und von mir bearbeiteten Eurostat-Daten.

