Die deutsche Mannschaft ist bei der WM 2026 durch eine Niederlage gegen Paraguay nach Elfmeterschießen im Sechszehntelfinale ausgeschieden. Wie konnte es dazu kommen?
Zu Unrecht wurde dem deutschen Team gegen Paraguay ein reguläres Tor aberkannt. Pech begleitete das deutsche Team vor und während der WM: Gnabry, Karl und Schlotterbeck fielen wegen Verletzungen aus. Doch das alleine kann das diesmalige Aussscheiden nicht erklären.
Kimmich spielte während der WM schwach, Sané nur mäßig, Wirtz OK, aber dennoch schwächer als früher. Woltemade steckte im Formtief, und Musiala rennt nach schwerer Blessur bis heute seiner Form hinterher.
Auch Bundestrainer Nagelsmann gab keine gute Figur ab. Dass er den Kölner Shootingstar El Mala nicht zur WM mitgenommen hat, bleibt bis heute unerklärlich. Goretzka und Groß nominierte er hingegen, obwohl sie ihren Zenit überschritten haben. Im WM-Kader tummelte sich ein Überangebot an wenig kreativen 6ern.
Die von Nagelsmann präferierte Doppelsechs aus Pavlovic und Nmecha entfachte keine große Spielfreude. Kimmich musste daher als spielstärkerer 6er immer wieder ins Zentrum rücken, obwohl er eigentlich als Rechtsverteidiger in einer Viererkette aufgestellt worden war. Dadurch spielte Kimmich auf beiden Positionen schwach, und das Team schwankte orientierungslos zwischen 4er- und 3er-/5er-Kette. Sané fungierte bei 3er-/5er-Kette als Schienenspieler im Mittelfeld und büßte so seine Stärke ein: riskante Dribblings auf rechts.
Nagelsmanns Grundaufstellung war also fragwürdig und seine Wechselpolitik – etwa gegen Ecuador und Paraguay – rätselhaft. Hinzu kommt, dass Nagelsmann entgegen eigenen Beteuerungen während der Spiele nie einen Plan B in der Tasche hatte. Seine Kommunikation war zudem unsouverän und patzig.
Kurzum: Es lag nicht nur am schwachen Schiedsrichter, dass Deutschland gegen Paraguay aus dem Turnier gekegelt wurde. Zu keiner Zeit spielte das Team überzeugend oder gar überragend.
Nun wird landauf, landab diskutiert: Was tun? Auch wenn er selbst einen Rücktritt bislang ausschließt, wird Nagelsmann wohl seinen Hut nehmen müssen. Angesichts des Auftretens während der WM führt an seiner Demission wohl auch kein Weg vorbei. Doch auch ein neuer Bundestrainer ist noch kein Garant für einen echten Neuanfang. Denn der deutsche Fußball steckt in einer strukturellen Krise.
Verdeutlichen wir uns das durch einen stochastischen Blick auf das Halbfinale. Teilnehmerzahl und Turnierbaum divergieren je WM, eine stochastische Gedankenführung ist nicht astrein. Auch der Fokus aufs Halbfinale ist etwas geschummelt, da sich nur damit sinnvoll argumentieren lässt. Dennoch: Von sechszehn WM zwischen 1954 und 2014 erreichte das deutsche Team nur viermal nicht das Halbfinale.
Die Wahrscheinlichkeit, das Halbfinale einmal nicht zu erreichen, war also:
$$p=\frac{4}{16}=0,25=25\%$$
Die Wahrscheinlichkeit, es dreimal in Folge nicht zu erreichen, war:
$$P(X=3)=\binom{3}{3} \cdot 0,25^3 \cdot 0,75^0=0,015625=1,5625\%$$
Und doch ist genau das zuletzt dreimal in Folge geschehen. Das legt nahe: Die Wahrscheinlichkeit, das Halbfinale einmal nicht zu erreichen, ist nicht mehr 25%, sondern deutlich höher. Der bundesdeutsche Fußball gehört schlicht nicht mehr zur Weltspitze. Es wird daher nicht reichen, Nagelsmann durch einen Retter zu ersetzen.
So einfach kloppt es nicht.