Wie wird sich Trumps Politik mit Zöllen und Zinsen auswirken?

Die von Trump auferlegten Importzölle bewirken für sich betrachtet eine Aufwertung des US-Dollar. Trumps Forderung an die Fed, die Leitzinssätze zu senken, würde bei Realisierung zur Abwertung des Dollars führen. Die Unruhe infolge der erratischen Politik Trumps hält aktuell Investoren davon ab, in den USA Anlagen in den USA zu tätigen. Auch das führt zur USD-Abwertung. 2:1 für Abwertung, aber morgen kann schon der Ausgleich fallen.

Importzölle senken Importe und Leistungsbilanzdefizit. Auch sinkende Zinsen führen zu Abwertung des Dollars, erhöhten Exporten, verminderten Importen und geringerem Leistungsbilanzdefizit. Die durch Unruhe erwirkte geringere US-Kapitalanlage führt ebenso zu USD-Abwertung und verringertem Leistungsbilanzdefizit. 3:0 zur Halbzeit fürs verringerte Leistungsbilanzdefizit.

Aber es gibt die zweite Halbzeit mit Zweitrundeneffekten. Das verringerte Leistungsbilanzdefizit würde partiell den US-Dollar wieder etwas stabilisieren und somit Exporte leicht abbremsen und Importe stärken. Die Strafzölle der anderen Länder bremsen ebenfalls die Exporte. Womöglich wird das Leistungsbilanzdefizit wieder etwas größer. Remis beim Leistungsbilanzdefizit?

Vor der Wahl lautete übrigens Trumps große Kritik an Bidens Administration, sie habe die Inflation nicht in den Griff bekommen. Diese Kritik war zwar falsch, aber sie verfing bei den Wählern. Interessanterweise sorgen Importzölle wie auch Zinssatzsenkungen tendenziell für Preisauftrieb. Ein Widerspruch? Ja. Und dann?

Wie wird sich eigentlich der reale Wechselkurs des USD entwickeln? Er berechnet sich, indem man den nominalen USD-Wechselkurs in Mengennotierung (z.B. EUR pro USD) mit dem Preisindex der USA (USD) multipliziert und durch den Preisindex des Auslands (z.B. Euroraum, also EUR) dividiert. Stand heute wird der USD durch Zölle real aufgewertet, bei sinkenden US-Zinssätzen real abgewertet, durch unruhige Anleger real abgewertet, bei Stabilisierung des Dollars in zweiter Runde real leicht aufgewertet, durch die Strafzölle in zweiter Runde real abgewertet und durch die Effekte der Preisindizes (höhere Inflation in den USA als im Euroraum) real aufgewertet. Ich tippe in Summe auf konstanten realen Wechselkurs. Unentschieden.

Genau wissen wir’s nicht. Franz B. hatte recht: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho.“ Wird Ökonomik überschätzt? Sollten wir uns mehr Fußball, Musik, Amore, also all den anderen nicht-rationalen Sphären des Lebens widmen, die jedoch wenigstens schön sind? „Definitely maybe!“ Denn „I’m feeling supersonic, give me gin and tonic.“



PS: Das Beitragsbild zeigt das Cover der Oasis-CD „Definitely Maybe“, die z.B. hier käuflich zu erwerben ist.

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