Das Ende der Fußball-WM in vier Akten

Erster Akt: England’s „long and winding road“

Vor allem dank Jude Bellingham hatte England im Viertelfinale verdient gegen ein toll kämpfendes Norwegen gewonnen und somit das Halbfinale gegen Argentinien erreicht. Mit den Beatles gesprochen: „Hey Jude“, so you „lit a fire, isn’t it good, Norwegian wood?“

Doch man sollte nie zu früh loben: Denn Englands Coach Thomas Tuchel erwies sich leider als Loser, indem er seinem Team in der Endphase des Halbfinals gegen Argentinien eine ultradefensive Taktik mit mauerhafter Fünferkette verordnete, nachdem sein Team zuvor 1:0 in Führung gegangen war. So verlor England noch mit 1:2 und schied zu Recht aus. Messi legte beide Treffer der Albiceleste auf und zeigte uns allen erneut: Er ist der GOAT.

Zweiter Akt: Caesar neu gedacht

Caesar schrieb einst in seinem Werk „De bello gallico“:

„Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.“

„Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt, von denen den einen die Belg(i)er bewohnen, den anderen die Aquitaner, den dritten jene, die in ihrer eigenen Sprache Kelten, in unserer Gallier genannt werden.“ (Übersetzung: AR)

Im Halbfinale der Fußball-WM 2026 am 14.07.2026 zwischen Frankreich und Spanien war es hingegen anders:

„Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum Belgica ante quattuor dies ab Hispanis superata est, Celtica hodie ab eis superata est, cum Aquitana fratribus Ibericis pollices premeret.“

„Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt, von denen der belgische vor vier Tagen von den Spaniern besiegt wurde, der keltische heute von ihnen besiegt wurde, während der aquitanische (jeweils) den iberischen Brüdern die Daumen drückte.“

Kurzum: Les Bleus enttäuschten auf ganzer Linie und verloren zu Recht im Halbfinale gegen Spanien, das zuvor im Viertelfinale Belgien mit 2:1 aus dem Turnier geworfen hatte. Ausgangspunkt der französischen 0:2-Niederlage war ein ungeschicktes Vorgehen von Lucas Digne gegen Lamine Yamal, das einen Strafstoß für Spanien zur Folge hatte, den Mikel Oyarzabal sicher zum 0:1 verwandelte.

Dritter Akt: Manchmal ist weniger mehr

Nichts gegen eine gute Show und gegen Madonna, the Queen of Pop, oder die tolle „Loca“-Sängerin Shakira: Aber dass die Halbzeitpause des Fußball-WM-Endspiels statt 15 nun 30 Minuten dauert, ist unschön.

Diese ausgedehnte Halbzeitpause entspricht einer Entwicklung mit weniger Fokus auf Sport, aus der sich auch die Einführung von Trinkpausen erklärt: Mal ist das Motiv mehr Kommerz, mal ist es mehr Show.

Marcel Reif erklärte neulich, diese Entwicklung sei im TV- und kapitalbasierten Profifußball gleichsam eingepreist und unvermeidlich. Ein Fußballtraditionalist, der dies nicht wolle, müsse sich eben Jugend- oder Amateurfußball anschauen.

Ich sehe es nicht so: Man kann auch darauf drängen, dass der Profifußball zwar nicht entkommerzialisiert, wohl aber in seiner Orientierung auf Kommerz auf ein geringeres Maß zurückgestutzt wird. Genau das sollte man tun.

Ich freue mich auf die Bundesliga mit zwei Halbzeiten à 45 Minuten ohne Trinkpausen und mit 15 Minuten Halbzeitpause – sowie mit einem FC, der hoffentlich vor MG und B***r 04 landen wird.

Vierter Akt: Spanien holt sich den Pokal

Spanien ist Weltmeister! Es hat den Titel mehr gewollt als Argentinien, viel offensiver gespielt und hochverdient gewonnen.

Argentinien hingegen hatte in den letzten 5 Minuten mehr Chancen als in den 115 Minuten zuvor, in denen es sich leider auf Antifußball beschränkt hat.

Matchwinner des spanischen 1:0-Siegs waren Ferran Torres und Nico Williams: nicht nur als Siegtorschütze und Vorlagengeber, sondern auch, weil erst ihre Dynamik das argentinische Bollwerk geknackt hat.

Lionel Messi, der GOAT, wird nun die große Bühne verlassen. Welch formidable Karriere: Chapeau! Lamine Yamal wird ihm nicht so schnell als GOAT, wohl aber als weltbester Spieler folgen können. Sein Konkurrent ist Kylian Mbappé.

Kommentar verfassen