Dem Morgenrot entgegen

Schlendert man so durch den Windkanal der LINKEN, spürt man die neueste Strömung. Man erinnert sich, da war doch was: Dem Morgenrot entgegen, / Ihr Kampfgenossen all! / Bald siegt ihr allerwegen, / Bald weicht der Feinde Wall! / Mit Macht heran und haltet Schritt! / Arbeiterjugend? Will sie mit? / Wir sind die junge Garde des Proletariats!“

Der, welcher mit dem Lied, dessen Melodie einst den Tiroler Volksaufstand abfeierte, in der Arbeiterjugend allgemein bekannt wurde, sagte später konkret in einem Interview: „Also, als ich für die DKP gesungen habe, war ich in der Partei. Und seit ich nicht mehr in der Partei bin, interessiere ich mich nicht mehr doll für Politik.“ Hatten die Stones also recht, als sie pessimistisch sangen: „Well, now what can a poor boy do / Except to sing for a rock and roll band? / ‚Cause in sleepy London Town, / There’s just no place for a street fighting man“?

Vielleicht. Vielleicht verkennt aber auch die steinerne Skepsis, dass manche Morgenrotarier einfach Folklore lieben, so nach dem halbstark anmutenden Motto, man wolle versteinerte Verhältnisse zum Tanzen zwingen oder so ähnlich. Und das ist ja nicht immer das Schlechteste, wie wir karnevalistischen Rheinländer wissen, die wir Trübsal in Frohsinn transformieren. Der eine hält sich an Frohsinn, der andere an Demonstrationen, indem er singt: We’re gonna vent our frustration. / If we don’t, we’re gonna blow a fifty-amp fuse“.

Freilich könnte man kritisieren, dass hinter der Ecke der Bewegung die Gefahr der Unterkomplexität lauert. Aber es gilt nun einmal: „You can’t always get what you want“. Der potenzielle Seiteneffekt für Freunde des Manchmal: „But if you try sometimes, / Well, you just might find, / You get what you need“; die mögliche Nebenwirkung für Freunde des Irgendwann: „But if you try, sometime / Oh you might find, you get what you need“.

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