„Die Kapitalisten verdienen, was sie ausgeben, und die Arbeiter geben aus, was sie verdienen.“

Nicholas Kaldor hat einst den polnischen Ökonomen Michal Kalecki wie folgt zitiert:

„Die Kapitalisten verdienen, was sie ausgeben, und die Arbeiter geben aus, was sie verdienen.“

Die sei nachfolgend kurz erläutert. Am Anfang steht die Überlegung, dass ex post im volkswirtschaftlichen Gleichgewicht Angebot gleich Nachfrage ist. Dies geschieht jedoch nicht geschmeidig. Vielmehr passt sich das Angebot der Nachfrage nur mit Friktionen an.

Angebot =
Nachfrage

Das Güterangebot setzt sich aus dem in Deutschland produzierten Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowie den importierten Gütern zusammen. Es kann nachgefragt werden als Konsum, als Investitionen, durch den Staat und durch das Ausland über den Export.

Bruttoinlandsprodukt + Import =
Konsum + Bruttoinvestitionen + Staatsnachfrage + Export

Das BIP wiederum enthält einkalkulierte Abschreibungen, also den Wertverlust bzw. „moralischen Verschleiß“ (Marx) des Anlagevermögens. Der Teil des BIP, der den Abschreibungen entspricht, gehört aber nicht zum an die beiden Grundklassen zu verteilenden Volkseinkommen, da er zum Ersatz verschlissener Anlagevermögensgegenstände benötigt wird. Den Unterschied zwischen Inlands- und Inländerprinzip vernachlässigen wir. Es gilt:

Volkseinkommen + Abschreibungen + Import =
Konsum + Bruttoinvestitionen + Staatsnachfrage + Export

Wir bringen den Import und die Abschreibungen auf die andere Seite und differenzieren den Konsum auf in Arbeiterkonsum (Arbeiter = Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) und Kapitalistenkonsum (Kapitalisten = Anteilseigner).

Volkseinkommen =
Arbeiterkonsum + Kapitalistenkonsum + [Bruttoinvestitionen – Abschreibungen] + Staatsnachfrage + [Export – Import]

Das Volkseinkommen teilt sich auf in Bruttolöhne + Bruttoprofite (Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen, also Gewinne, Zinsen und Pachten).

Bruttolöhne + Bruttoprofite =
Arbeiterkonsum + Kapitalistenkonsum + [Bruttoinvestitionen – Abschreibungen] + Staatsnachfrage + [Export – Import]

In den Bruttolöhnen und -profiten stecken Steuern drin. Zieht man diese von den Bruttolöhnen und -profiten ab, erhält man die Nettolöhne und -profite.

Nettolöhne + Nettoprofite + Steuern =
Arbeiterkonsum + Kapitalistenkonsum + [Bruttoinvestitionen – Abschreibungen] + Staatsnachfrage + [Export – Import]

Wir bringen die Steuern auf die andere Seite.

Nettolöhne + Nettoprofite =
Arbeiterkonsum + Kapitalistenkonsum + [Bruttoinvestitionen – Abschreibungen]
+ [Staatsnachfrage – Steuern] + [Export – Import]

Wir bringen die Nettolöhne auf die andere Seite.

Nettoprofite =
[Arbeiterkonsum – Nettolöhne] + Kapitalistenkonsum + [Bruttoinvestitionen – Abschreibungen] + [Staatsnachfrage – Steuern] + [Export – Import]

Wir stellen Arbeiterkonsum und Nettolöhne um, so dass das Vorzeichen wechselt, und positionieren diesen Ausdruck ans Ende.

Nettoprofite =
Kapitalistenkonsum + [Bruttoinvestitionen – Abschreibungen] + [Staatsnachfrage – Steuern] + [Export – Import] – [Nettolöhne – Arbeiterkonsum]

Bruttoinvestitionen abzüglich der Abschreibungen ergibt die den Produktionsapparat erweiternden Nettoinvestitionen. Der Teil der Staatsnachfrage, der nicht durch Steuern finanziert wird, wird durch Staatsverschuldung finanziert. Export abzüglich Import entspricht dem Exportüberschuss. Der Teil der Nettolöhne, der nicht für Arbeiterkonsum verwendet wird, entspricht Arbeiterersparnis. Also folgt:

Nettoprofite =
Kapitalistenkonsum + Nettoinvestitionen + Staatsverschuldung + Exportüberschuss – Arbeiterersparnis

Man sieht: Sofern Staatsverschuldung, Exportüberschuss und Arbeiterersparnis konstant bleiben, hängt die Höhe der Nettoprofite der Unternehmen von den Nettoinvestitionen der Unternehmen und vom Kapitalistenkonsum selber ab.

Investieren die Unternehmen nicht und konsumieren die Anteilseigner nicht, haben die Unternehmen am Ende auch keine Gewinne erzielt. Investieren die Unternehmen wohl und konsumieren die Anteilseigner wohl, erzielen die Unternehmen am Ende wohl Gewinne. Also verdienen Unternehmen (an Gewinnen), was sie (Unternehmen und Anteilseigner) selber (für Nettoinvestitionen und Kapitalistenkonsum) ausgeben.

Heute gibt es Mittelschichten unter den Arbeitern, die wohl sparen. Dies erschwert sogar noch die Realisierung der Nettoprofite, da Arbeiterersparnis die Nettoprofite ja laut Gleichung schmälert.

Nach wie vor gilt jedoch für geringverdienende Arbeiter, dass sie kein hohes Einkommen haben, also kaum Ersparnisse bilden können. Also geben geringverdienende Arbeiter fast alles (für Arbeiterkonsum) aus, was sie (an Löhnen) verdienen.

Kurzum, das steckt hinter dem Satz:

„Die Kapitalisten verdienen, was sie ausgeben, und die Arbeiter geben aus, was sie verdienen.“

Ein Hinweis zum Schluss: Es wird hier noch nicht mit Verhaltensgleichungen gearbeitet. Dann müsste man postulieren, welche Zusammenhänge es gibt.

Konservative Ökonomen behaupten z. B. oft, dass Gewinne der Vergangenheit Anreiz für die Investitionen von morgen seien.

Heterodoxe Ökonomen hingegen behaupten des Öfteren, dass durch andere Nachfrage induzierte und durch Hunger auf künftigen Gewinn motivierte Investitionsnachfrage umgekehrt die Gewinne von morgen realisiere.

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