Moby: „One of These Mornings“

Damit, dass das, was ist, nicht ewig, sondern endlich ist, müssen wir klarkommen, auch wenn es uns schwer fällt. Die Schwierigkeit wird potenziert, wenn wir das Ende nicht erahnt haben.

Denken wir an das Ende einer Beziehung, mit dem wir nicht gerechnet haben. Oder denken wir sogar an das Ende eines Lebens eines Freundes oder Partners, das war nicht erwartet haben. Beide Male geht es um die Perspektive des Verlassenen.

Doch es gibt auch die Perspektive des Verlassenden. Denken wir an jemanden, der weiß, dass er bald eine Beziehung beenden oder gar sterben wird, und dies mitzuteilen gedenkt, aber noch nicht verbal mitgeteilt hat – sei es, weil er noch nicht die Kraft dazu hat; sei es, weil er zwar die Kraft dazu hat, aber seiner Umgebung die Wahrheit nicht zumuten möchte; sei es, weil er aus Wut das Ende nicht verbal ankündigen, sondern zeigen möchte, indem er Knall auf Fall geht oder gar stirbt.

Das lyrische Ich in Mobys schönem Song „One of These Mornings“ nimmt die Perspektive des Verlassenden ein. Die Lyrics sind denkbar kurz, aber für das Verständnis nicht zu kurz:

„Eines Morgens, es wird nicht mehr lange dauern, wirst du mich suchen, und ich werde weggegangen sein.“

Die sphärischen Ambient-Klänge des Moby-Songs sind beeindruckend, die Tunes sind fantastisch – und der Gehalt der Lyrics ist brachial. Genießt „One of These Mornings“ vom 2002er-Album „18“.

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