„Wollen Sie mit mir tanzen?“ heißt der Film, dessen Bildausschnitt wir sehen. Würde ich gefragt, sagte ich: „Ja!“ Denn BB war eine Frau, deren schiere Präsenz auf Leinwand, Bildschirm und Bühne bereits explosiv wirkte — BB war einfach die schönste Frau ihrer Zeit.
Persönlich war sie eine emanzipierte Frau, die ihre Entscheidungen selbstbewusst traf. Politisch war sie zweifelsohne schillernd und bisweilen zweifelhaft. Der Kinoerfolg „Et Dieu … créa la femme“ von 1956 war filmisch mäßig, aber durch sie doch sehenswert. Musikalisch wurden ihre beiden größten Hits „Je t’aime … moi non plus“ und „Bonnie and Clyde“ jeweils im Duett mit Serge Gainsbourg vorgetragen. Der Song „Je t’aime … moi non plus“ mit seinem wunderschön sinnig-unsinnigen Titel ist noch bekannter in der Version mit Jane Birkin. Daher sei an BB erinnert mit „Bonnie and Clyde“.
Bonnie Parker und Clyde Barrow waren ein Gangsterpaar und verübten zwischen 1932 und 1934 vierzehn Morde, darunter neun an Polizisten. Die moralische Schuld soll nicht bestritten werden. Doch zu den Taten gibt es eine Vorgeschichte. Bonnie und Clyde wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Bonnies erster Ehemann landete im Knast, sodass sie mit wenig Mitteln auf sich allein gestellt war. Clyde war ein Kleinkrimineller, der beim zweiten Gefängnisaufenthalt von einem Mithäftling schwer sexuell missbraucht wurde und sich erst infolgedessen in einen Schwerkriminellen verwandelte.
Bonnie Parker hat das Gedicht „The Trail’s End“ über ihr Leben mit Clyde verfasst. Sie und Clyde hätten sich eine Rückkehr in ein freies Leben gewünscht, aber dies sei ihnen vermeintlich durch eine ungerechte Trias aus Justiz, Polizei und Behörden verunmöglicht worden. Auch seien Straftaten, die andere begangen hätten, ihnen in die Schuhe geschoben worden. Doch durch die Blume wird auch die eigene Schuld zugegeben. Kurzum: Bonnies Gedicht ist eine Mixtur aus Analyse und Anklage, basierend auf Einsicht, Selbstmitleid und zugestandener Mitschuld.
In Anlehnung hieran schrieb Serge Gainsbourg, der mit BB eine kurze Liaison hatte, 1968 Text und Musik von „Bonnie and Clyde“. Gainsbourg singt aus der Sicht von Clyde, BB aus der von Bonnie. Am Ende wird ein Erzähler eingeführt, der in dritter Person sagt, dass manche jener, die von Bonnie und Clyde getötet wurden, mit diesen zusammen in die Hölle gegangen, also ihrerseits nicht frei von Schuld gewesen seien. Gainsbourg und BB singen:
Maintenant chaque fois qu’on essaie de se ranger,
De s’installer tranquille dans un meublé,
Dans les trois jours, voilà le tac-tac-tac
Des mitraillettes qui reviennent à l’attaque.
Übersetzt heißt es: „Jedes Mal, wenn wir jetzt versuchen, uns zu bessern, uns ruhig in einem möblierten Zimmer einzurichten, ist es nach drei Tagen schon wieder da: das tac-tac-tac der Maschinengewehre im Angriff.“ Singt BB ihr „à l’attaque“, spüren wir: Niemand sonst vermag es, diese Worte auf diese Weise ins Mikro zu hauchen..
Heute ist Brigitte Bardot mit 91 Jahren in Saint-Tropez verstorben. RIP, BB!