Björks „Pagan Poetry“

Der gute Alban sagte mir neulich, dass er Björk nicht besonders möge. Ich hingegen finde sie toll und stelle heute ihren Song „Pagan Poetry“ („Heidnische Poesie“) vor.

Der Song kombiniert Björks unverkennbaren Gesang mit einem nordischen Hintergrundchor, einem elektronischen Basslauf, einem wie auch immer hergestellten Hintergrundrauschen sowie einer Spieluhr, die auf Björks Initiative eigens von einem Hersteller angefertigt wurde und Björks Komposition abspielt.

Textlich geht es um eine Frau, die nach längerer Enthaltsamkeit Sex hat, bei dem sie sich einem Mann wie in einem heidnischen Kult ausliefert und poetisch euphorisiert wird. Ihre Liebe zu ihm wird beschworen, und zwar in erster und dritter Person, so als bedürfte es der Bestätigung eines omniszienten Erzählers, um Ungewissheiten zu verbannen. Dem entspricht, dass es eine kleine Rückversicherung gibt. Denn die Ich-Erzählerin beteuert, diesmal nicht nur ihr Glück für sich zu behalten, sondern auch sich selbst. Vollständig ist die Selbstaufgabe also nicht.

Björk spielt in den Lyrics intensiv mit Metaphern: Verschlungene Hände symbolisieren den Sex; Geheimcodes, Morsesprache und Blaupausen deuten an, dass im erotischen Spiel Übersetzungen zwischen dunklem Gefühl und sichtbarer Körperoberfläche stattfinden; Lilien und Gruben stehen für die Invisibilität von Gefühlen wie auch für die Organe mystischer Weiblichkeit.

Der metaphorische Ansatz des Textes wird ins Video transportiert. In seinem ersten Teil sehen wir verschwommene Bilder, die zu entschlüsseln dem Zuschauer überlassen wird: Sind es Sexszenen, oder räkelt Björk ihren Körper? Zudem sehen wir die Andeutung erotischer Piercing-Vorgänge. Im zweiten Teil des Videos sehen wir Björk, wie sie halbnackt ekstatisch singt und in der unteren Körperhälfte von einem Kleid bedeckt wird, das nur durch besagte Piercings befestigt ist.

„Pagan Poetry“ entstammt dem Album „Vespertine“, und es erscheint nachgerade surreal, dass Song und Album aus dem Jahre 2001 stammen und über 20 Jahre alt sind. Das Lied ist ein zeitloses großes Stück, das nicht altert.



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