„The Spoils“ von Massive Attack und Hope Sandoval

Das lyrische Ich in „The Spoils“ von Massive Attack und Hope Sandoval ist weiblich und begehrt einen Mann. Der ist gerade bei einer anderen Frau, weil er sich einsam fühlt. Das stört das lyrische Ich nicht – im Gegenteil: Sie wünscht ihm, dass er bei der anderen Trost finde.

Sie hat nämlich ein schlechtes Gefühl. Einerseits beginnt sie den Mann langsam und zunehmend intensiv kennen- und lieben zu lernen und möchte ihn genau so bei sich halten, wie er ist. Andererseits hegt sie den Wunsch, er möge ihr fern bleiben. Warum ihr Wunsch nach Distanz?

Entweder sie hält den untreuen Mann nur aus, wenn er gerade nicht permanent bei ihr ist. Oder aber – die spannendere Deutung – sie ahnt, dass es die Leidenschaft reduzieren könnte, den Mann zunehmend intensiv kennen- und lieben zu lernen. Es wäre dies das Muster aus Joy Divisions Megasong „Love Will Tear Us Apart“: Denn Liebe kann scheitern, „when routine bites hard and ambitions are low and resentment rides high, but emotions won’t grow“. Daher stößt sie ihn immer wieder aufs Neue ab, und die andere Frau soll ihn in diesen Momenten trösten.

Es ist also das Schwanken der Protagonistin zwischen dem Wunsch nach Nähe und jenem nach Distanz, das ihr ein schlechtes Gefühl beschert – was dem Mann offenbar nicht bewusst ist:

But I somehow slowly love you
And wanna keep you the same.
Well, I somehow slowly know you
And wanna keep you away.
I got that feeling,
That bad feeling that you don’t know.

Die Zusammenfassung soll nicht davon ablenken, dass „The Spoils“ von Massive Attack und Hope Sandoval textlich mysteriös und musikalisch schön ist. Klar: Der Mix aus Massive Attacks Elektrofragmenten, eingespielten Streichern, elegischer Melodie und Hope Sandovals sanfter Stimme ist geplant und bekannt. Aber ist es nicht eine Kunst, Geplantes und Bekanntes so gut hinzubekommen? Das sehenswerte Video zeigt Cate Blanchett.



Das Foto mit „Hope Sandoval“ stammt vom Flickr-User Jason Persse.

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