Im Folgenden soll die Entstehung kapitalistischer Krisen im Rahmen von Unterkonsumtion gemäß einem Modell dargestellt werden, das vom Austromarxisten Otto Bauer begründet und vom amerikanischen Marxisten Paul Sweezy weiterentwickelt worden ist.
Die Präsentation der einzelnen Schritte liegt selbstredend in meiner Verantwortung als Autors des Artikels. Das Dokument steht hier zum Download bereit. An dieser Stelle finden sich Dateien, mit denen gearbeitet wurde.
Ich bin Alexander Recht, geboren am 01.10.1970 in Köln, wohnhaft in Köln. Ich habe in Köln BWL und Wirtschaftspädagogik studiert und in Düsseldorf mein Referendariat absolviert, bin daher Diplom-Kaufmann und Diplom-Handelslehrer mit Erstem und Zweitem Staatsexamen.
Von Beruf bin ich Abteilungsleiter und Studiendirektor an einem kaufmännischen Berufskolleg in Köln und unterrichte dort seit 2005 die Fächer VWL, BWL, Rechnungswesen, Steuerung und Kontrolle, Controlling, Einzelhandelswirtschaftslehre, Immobilienwirtschaftslehre, Allgemeine Wirtschaftslehre, Wirtschaft und Beruf, Wirtschaft/Soziales/Beruf, Kaufmännische Mathematik und Politik.
Von 2001 bis 2005 habe ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am VWL-Lehrstuhl für Makroökonomie an der RWTH Aachen zu den Schwerpunkten Allgemeine Makroökonomie, Spezielle Makroökonomie, Konjunktur und Wachstum, Außenwirtschaft, Dogmengeschichte gearbeitet.
Politisch war ich von 1990 bis 2005 in der SPD aktiv, darunter von 1996 bis 2001 als Vorsitzender der Kölner Jungsozialisten in der SPD. Von 2005 bis 2007 war ich Mitglied der WASG, einer der beiden Vorläuferparteien der Partei DIE LINKE, zu deren Gründungsmitgliedern ich 2007 gehörte und in der ich bis heute aktiv bin.
Ökonomietheoretisch bin ich heute nicht mehr eindeutig festgelegt, aber ich komme aus einer Richtung, die einerseits an der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie und andererseits an der Keynesschen Theorie, am Keynesianismus mit seinen verschiedenen Spielarten und am Postkeynesianismus anknüpft.
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2 Kommentare
Unterstellt die Proportionalitätsannahme nicht eine konstante Kapitalproduktivität? Wenn diese nun sinkt müssen die Relationen nicht mehr stabil sein?
ja, die die Proportionalitätsannahme zwischen (realem) Kapital und Produktionspotenzial (bzw. alternativ dazu realem BIP) unterstellt eine konstante Kapitalproduktivität (Yr/Kr) bzw. einen konstanten Kapitalkoeffizient (Kr/Yr als Kehrwert der Kapitalproduktivität).
Gemessen am Produktionspotenzial stimmt das auch (Realpotential /Kr = constant), wobei ich befürchte, dass der Ansatz der Berechnung des Produktionspotenzials über eine neoklassische Produktionsfunktion so vorgeht, dass aus dem Kapitalstock sowie aus dem Arbeitskräftepool das Produktionspotenzial ermittelt wird. Dass dann zwischen Produktionspotenzial und Kapitalstock bei weitgehend konstanter Erwerbsbevölkerung ein eher konstantes Verhältnis vorliegt, wundert dann nicht.
Nimmt man nicht das Produktionspotenzial, sondern das reale BIP als Bezugsgröße zum (realen) Kapital, gibt es mehr Schwankungen. Gäbe es nur Unterkonsumtion im Sweezy-Sinne ohne Gegentendenzen, müsste die Kapitalproduktivität gemessen am realen BIP immer weiter sinken (Real-BIP/Kr sinkt) bzw. müsste der Kapitalkoeffizient immer weiter steigen (Kr/Real-BIP steigt), da ja das reale BIP gerade nicht die Kapazitäten bzw. das Produktionspotenzial auslastet. Das ist aber in der Realität im Laufe der Konjunktur nicht der Fall.
Der Sweezy-Ansatz steht und fällt mit den Annahmen unter 5), und genau deswegen habe ich die mir ja auch mal genauer angesehen: Offenbar ist das Wachstum der Investitionen nur ganz leicht im Trend rückläufig. Und der Konsum, was ich noch nicht genauer ausgeführt habe, kann unterproportional zu den Investitionen verlaufen, muss es aber keineswegs. Das liegt auch daran, dass Investitionen und Ersparnisse als Nichtkonsum vielen verschiedenen Motiven folgen können und die Motive hinter Investitionen und Ersparnissen keineswegs identisch sind.
Ob es wenigstens säkular in the long run eine sinkende Kapitalproduktivität, gemessen am realen BIP, geben wird? Wir werden sehen …
Unterstellt die Proportionalitätsannahme nicht eine konstante Kapitalproduktivität? Wenn diese nun sinkt müssen die Relationen nicht mehr stabil sein?
Lieber Henning,
ja, die die Proportionalitätsannahme zwischen (realem) Kapital und Produktionspotenzial (bzw. alternativ dazu realem BIP) unterstellt eine konstante Kapitalproduktivität (Yr/Kr) bzw. einen konstanten Kapitalkoeffizient (Kr/Yr als Kehrwert der Kapitalproduktivität).
Gemessen am Produktionspotenzial stimmt das auch (Realpotential /Kr = constant), wobei ich befürchte, dass der Ansatz der Berechnung des Produktionspotenzials über eine neoklassische Produktionsfunktion so vorgeht, dass aus dem Kapitalstock sowie aus dem Arbeitskräftepool das Produktionspotenzial ermittelt wird. Dass dann zwischen Produktionspotenzial und Kapitalstock bei weitgehend konstanter Erwerbsbevölkerung ein eher konstantes Verhältnis vorliegt, wundert dann nicht.
Nimmt man nicht das Produktionspotenzial, sondern das reale BIP als Bezugsgröße zum (realen) Kapital, gibt es mehr Schwankungen. Gäbe es nur Unterkonsumtion im Sweezy-Sinne ohne Gegentendenzen, müsste die Kapitalproduktivität gemessen am realen BIP immer weiter sinken (Real-BIP/Kr sinkt) bzw. müsste der Kapitalkoeffizient immer weiter steigen (Kr/Real-BIP steigt), da ja das reale BIP gerade nicht die Kapazitäten bzw. das Produktionspotenzial auslastet. Das ist aber in der Realität im Laufe der Konjunktur nicht der Fall.
Der Sweezy-Ansatz steht und fällt mit den Annahmen unter 5), und genau deswegen habe ich die mir ja auch mal genauer angesehen: Offenbar ist das Wachstum der Investitionen nur ganz leicht im Trend rückläufig. Und der Konsum, was ich noch nicht genauer ausgeführt habe, kann unterproportional zu den Investitionen verlaufen, muss es aber keineswegs. Das liegt auch daran, dass Investitionen und Ersparnisse als Nichtkonsum vielen verschiedenen Motiven folgen können und die Motive hinter Investitionen und Ersparnissen keineswegs identisch sind.
Ob es wenigstens säkular in the long run eine sinkende Kapitalproduktivität, gemessen am realen BIP, geben wird? Wir werden sehen …
LG
Alex