Straßenfest in Deutz: Wer da war und wer nicht

Wat wor dat schön: Mit meinen Eltern war ich auf dem Deutzer Straßenfest. Es gab Bierzelte, Wurstbuden, Verkaufsstände, Tombola und eine kleine Musikbühne.

Mein erster Gedanke: Wenigstens das hier ist noch ein Ort, an dem Personen unterschiedlicher Milieus, Schichten, Klassen zusammentreffen. Beim zweiten Nachdenken komme ich zu einem anderen Schluss. Lohas, die einen Lifestyle of Health and Sustainability halboffen oder gar ostentativ pflegen, waren dort genauso selten anzutreffen wie konservativere Personen der Oberschicht und der oberen Mittelschicht.

Und wer waren die, die auf dem Straßenfest waren? Lück wie ich un do, Normalos? Das trifft es auch nicht, denn zum einen ist der Normalitätsbegriff mit seiner Setzung problematisch, und zum anderen repräsentieren die Besucher des Straßenfests ihrerseits gar nicht die ganze Gesellschaft.

Ob die in der Linken geführten Diskurse die Anwesenden einschließen? Ich habe meine Zweifel. Begriffe wie „verbindende Klassenkämpfe“, „system change, not climate change!“, „Identitätspolitik“, aber auch „neue Popularität“ gehen an den Lebensrealitäten dieser Leute eher vorbei. Damit behaupte ich nicht, dass Verbindungen sozialer und ökologischer Konflikte, Klima-, Identitäts- oder geopolitische Fragen unbedeutend seien. Auch sage ich nicht, dass die Menschen auf dem Straßenfest sich hierfür nicht interessieren. Ich denke aber, dass die Anmutung linker Politik die Menschen auf dem Straßenfest wenig erreicht.

Was mir zu diesen Menschen einfällt? Auch mal ein Lied lachend mitsingen können, wenn es nicht ganz korrekt ist. Den Stock nicht quer im A**** haben. Fünf gerade sein lassen können. Einfaches leckeres Essen inkl. Fleisch genießen können. Eher Bier statt Wein trinken. ÖPNV gut finden, ohne Autos zu verdammen. Gaspreise bedrohlich und zugleich Putin doof finden. Gendersprachvorgaben uninteressant finden. Wenig Hang verspüren, alternativ in Kunst und Kultur sein zu wollen.

Die meinem Gefühl nach auf dem Straßenfest mehrheitlich anwesenden Milieus habe ich anhand der Sinus-Kategorien umkreist. Das Bild findet sich hier.

Ich gehöre diesen Milieus zwar nicht mehr an, entstamme ihnen aber. Ich möchte sie auch nicht unkritisch abfeiern, gestehe aber, dass ich es genieße, in ihre Mitte zeitweilig einzutauchen. Und zum Wochenende schenke ich hier und weiter unten euch ein Video mit einer Darbietung des Stones-Song „Sympathy For The Devil“ auf dem Straßenfest.


Kommentar verfassen