David Bowies „Be My Wife“

In David Bowies Lied „Be My Wife“ herrscht ein instrumentales Quartett. Erstens ist da das Klavier, das in den Strophen einen Dum-Dum-Dum-Ragtime-Riff ad infinitum wiederholt, um unstetes Tempo zu machen. Zweitens präsentiert die Kombi aus Rhythmusgitarre, Bass und Drums im Refrain gleichmäßigen Galopp. Drittens spielt die Leadgitarre Soli mit sphärischen Trips wie in Neil Youngs „Like a Hurricane“ von 1977, ohne dass wir wissen, ob die Anlehnung bewusst ist. Viertens ist da der Synthesizer, der stets als Schmiermittel fungiert, ohne in den Vordergrund zu rücken.

Die Lyrics thematisieren das Gefühl der Einsamkeit des Mannes. Sich selbst als Jäger und Sammler wähnend, möchte er sich in seiner Jugend die Welt zu eigen machen und alle Orte der Welt erobern, um später zu erkennen, dass das doch nicht bzw. noch nicht alles ist. ‚Kommen und Gehen‘ ist nicht ‚Ankommen und Bei-sich-Sein‘. Vielmehr macht das viele Reisen einsam — so die Strophe. Hierher rührt die Bitte des Mannes im Refrain, dass eine Frau die seinige sei, mit ihm das Leben teile, bei ihm bleibe, also seine Gattin sei.

„Be My Wife“ ist ein toller Song vom faszinierenden Album „Low“, dem ersten aus David Bowies Berlin-Trilogie, das u.a. durch Kraftwerks Elektrosound inspiriert wurde und etliche Synthesizer-basierte Stücke enthält, denen keine oder nur spärliche Lyrics eignen. „Be My Wife“ ist es hingegen vorbehalten, als rockigster Song des von Tony Visconti 1977 produzierten Albums den elektronischen Grundansatz zu kontrastieren.

Wie schon bei „Life on Mars“ steht David Bowie auch in „Be My Wife“ vor einer weißen Wand. Diesmal jedoch mimt er mit traurigem Gesicht ein lustlos wirkendes Gitarrenspiel, obwohl es in Wirklichkeit mitreißt; sein effeminierter Look kontrastiert die männliche Sehnsucht nach einer Frau; sein Buster-Keaton-Make-up untermalt das Gefühl männlicher Einsamkeit.


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